Posted by on August 28, 2019

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Es ist der 24. August 2019 – wir stehen vor einem, mit seinen 612 Metern, höchsten Wasserfällen der Erde. Dem Langfoss in Norwegen. Ich glaube ich war noch nie so beeindruckt von der Gewalt dieses Elements.

Da wir uns schon auf der Rückfahrt befinden bleibt leider keine Zeit mehr dem Pfad auf den Berg zu folgen, um dieses Naturspektakel von oben zu sehen. Also schieße ich so viele Aufnahmen wie möglich von unten und merke, dass die Mächtigkeit dieser Szene sich nicht dadurch einfangen lässt, dass man diesen Wasserfall in der Totalen aufnimmt. Es ist der Ausschnitt, der die Größe vermittelt und mich fasziniert. Dieser formatfüllende Blick auf eine nahezu senkrechte und nicht enden wollende Wand aus Wasser, die sich irgendwie permanent verändert und doch die gleiche bleibt. Dieser Anblick provoziert mich nahezu alle möglichen Formen von Wassertropfen festhalten zu wollen.

So endet meine Session in einer Flut an Bildern, die ich nachher wieder mühsam reduzieren werde. Aber in diesem Augenblick fällt es mir nicht auf. Ich entschließe mich dazu den rechten Teil des Wasserfalls “weg zu lassen”. Aufnahmen zu beschneiden fällt mit generell nicht leicht, weil ich immer die Sorge habe etwas “dort” zu lassen, an das ich danach nie mehr herankommen werden. Und trotzdem ist es dieses Mal gut so. Der Anschnitt des Wasserfalls zeigt, dass auf der rechten Seite noch mehr Wasser kommt. Wie viel bleibt der Fantasie des Betrachters überlassen und macht ihn dadurch noch größer.

Die permanente Veränderung der Szenerie im Kleinen führt mich später auch zum Text dieses Bildes. Wie etwas so weiches wie ein einzelner Wassertropfen zu einer kraftvollen Gestaltungsmacht werden kann, wenn er sich mit anderen zusammenschließt und die Gunst des Augenblicks nutzt. Das wünsche ich mir für uns als Menschheit. Das wir als Gemeinschaft zu Gestalterinnen und Gestaltern werden, die etwas erschaffen, auf das die uns nachfolgenden Generationen mit Staunen, Anerkennung und Dankbarkeit blicken.

Wenn ich mir die Welt heute anschaue, scheint das noch ein langer Weg zu sein. Viel länger als 612 Meter. Aber ich will zuversichtlich bleiben.

Sanftheit die Berge formt,
wenn jeder sich beteiligt.
Die Schönheit schafft und Staunen lehrt,
die Leben weckt und Ehrfurcht mehrt.
Sie kann die Welt verändern.
Nur eines hat sie nie gelernt.
Sie hat es niemals eilig.

Norwegen im August 2019

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