Posted by on März 27, 2021

Die Bildmotive der Zimmer sollen sich auch in einem “Inseltagebuch” wiederfinden. Dort ergänzt um weiterführende Texte, laden sie die Gäste ein, ihre Lebensfragen aus neuen Perspektiven zu betrachten.

Der folgende Text ist ein erster Vorschlag für das Inseltagebuch Der Plan ist, die Mitarbeiter des Hauses an der Interpretation der weiteren Bilder zu beteiligen. Auf diese Weise entsteht eine besondere Art der Verbindung zwischen den Gästen des Hauses und den Mitarbeiter*innen des Victoria.

Wenn Gott uns in die Tiefe führt, mag das daran liegen, dass wir bisweilen nur dort den Weg in neue Freiheiten finden. (c) Lyrimage

Die Aufnahmesituation:

Korsika 2017 kurz vor 6:30 Uhr morgens. Der Berg auf dem ich mit meiner Tochter fotografieren war ist für Privatfahrzeuge gesperrt. Entsprechend leer sind die Straßen und man kann ohne Gefahr überfahren zu werden auf dem Mittelstreifen fotografieren. Entsprechend niedrig ist auch die Notwendigkeit diese Straßen zu warten.

Es war kühl an diesem Junimorgen und das tiefhängende Mosaik der Wolken gaben nur schemenhaft den Blick auf die Küste frei. Gerade genug, um mit dem ersten Glanz der Sonne das Meer in warmes Licht zu tauchen. Hier oben schwieg die erwachende Geschäftigkeit des Tages noch und ließ der ausklingenden Nach einen letzten Rest friedvoller Stille.

Die Bildsprache:

Die Straße mit ihrem Mittenmarkierung ist das blickführende Element in dieser Aufnahme. Sie soll das Auge des Betrachters mitnehmen von der Höhe in die Tiefe und von der Nähe in die Ferne. Gleichzeitig führt sie den Betrachter immer wieder zurück an den linken oberen Bildrand der von der Weite des Meeres, des Himmels und der aufgehenden Sonne dominiert wird.

Die Interpretation:

Der Weg nach oben war ein Abenteuer und die Aussicht ein Erlebnis. Oben angekommen ist die Verlockung groß sich einrichten zu wollen, fest zu halten am Erreichten. Für manche wird da oben der Status Quo zum Sinn des Lebens. Und weil Höhen oft auch Orte der Einsamkeit sind, bleibt wenig Raum für die Beziehung zu anderen Menschen außer zu sich selbst.

Doch so ist Leben nicht. Es entsteht nicht aus der Beschäftigung mit sich selbst und egoistischen Werten. Es entsteht aus der Gemeinschaft derer die ihren Sinn im Dienst für andere finden.

Und deshalb kann es passieren, dass das Leben beschließt, uns unseren Status zu nehmen, unsere Perspektive zu rauben und uns unsere Privilegien zu beschneiden. Es wirft uns zurück in die Tiefe. Doch wenn wir unten angekommen sind, merken wir bisweilen, dass wir nicht das Ende der Welt, sondern das Meer erreicht haben. Wir treffen auf Menschen, die anders denken. Wir lernen neue Werte kennen. Und wir finden dort im Hafen Schiffe, die uns Mut machen möchten, neues Land zu entdecken. So lassen wir das hinter uns, was uns in den Höhen des Lebens festhielt und so die Reise unterbrach, die wir Leben nennen.

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